Mit Kursschwankungen umgehen lernen

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Nicht nur in Zeiten (globaler) Krisen schwanken die Märkte mal stark mal weniger stark. Auch in normalen Zeiten können tagesaktuelle außergewöhnliche Nachrichten einzelne Aktien aber auch gesamte Indizes zum Schwanken bringen. Mit Volatilität ist immer das Ausmaß der Schwankung von Aktien- und Devisenkursen, Zinssätzen oder auch ganzen Märkten innerhalb einer kurzen Zeitspanne gemeint.

Was kann man also tun, um sich gegen Kursschwankungen abzusichern und ist das überhaupt möglich?

Inhaltsverzeichnis

Die Kurse schwanken
Rationale versus emotionale Anlageentscheidungen
Kann man lernen mit Kursschwankungen umzugehen?
Der Weg zur rationalen Anlageentscheidung
Was, wann und wie?
Entwickle Deine eigene Strategie
Noch alles unter Kontrolle?
Wie wäre es mit folgendem Ansatz
Fazit

Die Kurse schwanken

Es gibt sehr viele unterschiedliche Investmentfonds. Allen gemein ist, dass sie in Wertpapiere veranlagen, deren Kurse an den Kapitalmärkten gebildet werden. Und diese Kurse schwanken – manchmal mehr und manchmal weniger!

In diesem Artikel folgen einige Tipps, wie man persönlich mit Kursschwankungen umgehen lernen kann.

Rationale versus emotionale Anlageentscheidungen

Zum Zeitpunkt einer Veranlagung in Fonds ist die Entscheidung für das Investment im Normallfall gut durchdacht und basiert daher zumeist auf rationalen Argumenten. Wenn es um das eigene Geld geht, wirken sich Kursschwankungen eher seltsam aus, denn sie wecken Emotionen in uns. Bei starken Kurssteigerungen ist oft der „Wunsch nach mehr“ vorhanden – man könnte dies auch Gier nennen.

Bei Kursverlusten ist es die Angst, das eingesetzte Kapital zu verlieren. Je höher die Kursschwankungen, desto mehr übernehmen die Gefühle die Kontrolle über die Anlageentscheidungen und die rationalen Argumente treten immer weiter in den Hintergrund. Dies führt dann zu entsprechenden Fehlentscheidungen, wie z.B. der Einstieg bei Höchstkursen bzw. der Verkauf nahe den tiefsten Kursen.

Folgendes Zitat einer Börse-Legende sei hier erwähnt, über das es sich Gedanken zu machen lohnt:

„An der Börse sind zwei mal zwei nicht vier, sondern fünf minus eins – und man muss die Nerven haben, dieses minus eins auszuhalten.“

André Kostolany

Kann man lernen, mit Kursschwankungen umzugehen?

Du hast bestimmt schon einmal vom Herdentrieb gehört? Dieser ist gerade bei Anlageentscheidungen sehr stark ausgeprägt. Wenn viele andere etwas tun, dann können sie sich nicht irren, oder?

Und selbst wenn alle falsch liegen, dann bin ich wenigstens nicht der Einzige, der eine solche Fehlentscheidung getroffen hat. Bei Anlageentscheidungen geht es immer nur um das eigene Geld und dafür musste man normalerweise auch hart arbeiten. Also schmerzen Verluste hier verständlicherweise umso mehr.

Es gibt mittlerweile jede Menge Literatur zum Thema „Behavioral Finance“ – oder zu Deutsch: Der Einfluss der Gefühle bei der Anlageentscheidung. All die Bücher kann man lesen, doch das theoretische Wissen ist nur ein Teil des Ganzen. Um zu erfahren, wie man selbst reagiert, muss zuerst das eigene Geld investiert werden. Da hilft die reine Theorie gar nichts.

Die Schritte zum Umgang mit Kursschwankungen sind:

  1. Die Theorie hinter den Gefühlen bei der Veranlagung kennen
  2. Mit dem eigenem Geld Erfahrungen sammeln (Gewinne und Verluste)
  3. Aus den Erfahrungen lernen!!
  4. Eine eigene Strategie für das zukünftige eigene Investment und den Umgang mit möglichen Kursschwankungen festlegen (am besten schriftlich)

Der Weg zur rationalen Anlageentscheidung

Geld ist vorhanden und soll investiert werden und die passende Anlagemöglichkeit ist auch schon ausgewählt? Also stellen wir als erstes die Frage nach dem „WARUM“. Weshalb möchtest Du genau in dieses Investment Geld einzahlen? Handelt es sich um einen Tipp aus der Zeitung, von Freunden? Hat man Dir etwas eingeredet oder ist die Entscheidung dazu rational entstanden, dass dieses Investment zu Dir passt?

Was, wann und wie?

Nehmen wir an, Du hast das „WARUM“ bereits reiflich geprüft und Dich für ein Investment entschieden, das zu Deinen Anlagewünschen passt. Somit ist das „WAS“ bereits erledigt.

Im nächsten Schritt geht es darum, ob das dafür vorgesehene Kapital sofort investiert werden soll. Bedenke dabei: Wenn Du Dich mit der Auswahl gut fühlst, dann frage Dich noch zusätzlich, ob Du dem oben genannten Herdentrieb gefolgt sein könntest. Gut fühlt man sich meistens erst dann, wenn das Investment in der Vergangenheit bereits längerfristig gestiegen ist.

Überlege also gut: sagt die Entwicklung der Vergangenheit wirklich etwas über die zukünftige Entwicklung aus? In den Disclaimern von Investmentfonds weisen die Fondsgesellschaften immer darauf hin, dass die Vergangenheit nichts über die Zukunft aussagt!

Kommen wir zum „WIE“. Soll das gesamte Kapital nun auf einen Schlag veranlagt werden? Wäre es vielleicht sinnvoller, die Summe zu splitten und über die z.B. nächsten 12 Monate verteilt zu veranlagen – oder vielleicht 6 oder 10 Monate? Investmentfonds (und generell so gut wie jedes Wertpapier) können auch in kleinen Beträgen in mehreren Tranchen oder z.B. mit monatlichen Zahlungen erworben werden (Fondssparen ist hier gemeint).

Entwickle Deine eigene Strategie

Weiter oben haben wir darüber gesprochen, wie man sich rational dem geplanten Investment nähern kann. Zusammenfassend einige Punkte, die Du auf jeden Fall auch in Deiner persönlichen Anlagestrategie umsetzen kannst:

  1. Setze niemals alles auf eine einzige Karte, sondern stelle Dir ein Portfolio mit breiter Streuung zusammen
  2. Lasse Dich bei Kauf- und Verkaufsentscheidungen nicht von Deinen Emotionen leiten
  3. Prüfe genau, ob das Investment heute zu Dir passt – und auch noch in einigen Jahren passen könnte
  4. Definiere auf jeden Fall eine Einstiegs-Strategie (alles zu einem Zeitpunkt oder Einstieg in Tranchen)
  5. Überlege Dir, wie Du mit zukünftigen Kursschwankungen umgehen wirst (schriftlich festgehalten?)
  6. Definiere Kriterien, wann das Investment nicht mehr zu Dir passt
  7. Gib Deinem Investment ausreichend Zeit, sieh Dir die Entwicklung aber dennoch in regelmäßigen Abständen an
  8. Zu guter Letzt: überlege Dir eine Exit-Strategie

Noch alles unter Kontrolle?

Viele AnlegerInnen denken oft, dass Sie die Entwicklung ihrer Veranlagung steuern können, wenn sie nur ausreichend Informationen haben bzw. möglichst oft kontrollieren. Dazu gehört z.B. auch regelmäßig auf den Fondspreis zu schauen. Da es sich bei Investmentfonds um eher langfristige Veranlagungen handelt, ist es nicht notwendig den Kurs täglich zu kontrollieren. Vielmehr führt dies zu folgendem psychologischen Effekt:

Kursverluste werden deutlich intensiver wahrgenommen als Kurssteigerungen. Es entsteht ein Gefühl, dass gerade das persönliche Investment tendenziell mehr fällt, als es im Wert zulegt. Und dann stellt man sich natürlich die Frage, ob es sich überhaupt um eine Veranlagung handelt, in die man investiert sein will.

Wie wäre es mit folgendem Ansatz

Wertpapierkurse steigen und fallen – und niemand kann dies persönlich direkt beeinflussen. Selbst die beste Kontrolle und noch so viel Fachwissen helfen hier rein gar nicht weiter. Gib Deinem Investment tatsächlich ausreichend viel Zeit. In 10 oder 20 Jahren ist die Kursschwankung von heute völlig irrelevant!

Fazit

Mit Kursschwankungen umzugehen kann man trainieren bzw. sich die Thematik immer wieder vor Augen führen. Hierzu wurden bereits viele schlaue Bücher geschrieben. Doch die Wahrheit ist: Lernen kann man tatsächlich nur dann etwas, wenn man das eigene Geld investiert und damit echte Erfahrungen sammelt! Nur wer selbst erfährt, wie sich Schwankungen auf das eigene Wohlbefinden auswirken und wie sich das anfühlt, kann entsprechende Strategien für den Umgang damit erarbeiten. Dies erfordert vor allem Selbstdisziplin und auf jeden Fall auch einen kühlen Kopf.

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